Handwerk als Rückgrat unserer Wirtschaft: Besuch bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz im Charlottenhof
Das Handwerk ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Bayern – und zugleich ein entscheidender Garant für Wohlstand, Ausbildung und regionale Wertschöpfung. Bei meinem Besuch im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz im Charlottenhof konnte ich mich gemeinsam mit Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven des Handwerks austauschen.
Dabei wurde schnell deutlich, welche enorme Bedeutung die Handwerkskammer für unsere Region hat. Mit knapp 43.000 Handwerksbetrieben vertritt die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz die Interessen einer der stärksten Wirtschaftsgruppen Ostbayerns. Gemessen an der Zahl der Betriebe handelt es sich um die drittgrößte Handwerkskammer Deutschlands. Die Betriebe erwirtschaften jährlich rund 37,5 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigen einen erheblichen Teil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Region. Rund 18 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten im Handwerk, fast jeder dritte Auszubildende absolviert seine Ausbildung in einem Handwerksberuf.
Ausbildung bleibt Schlüssel für die Zukunft
Ein besonderer Schwerpunkt des Gesprächs war die Nachwuchsgewinnung. Aktuell befinden sich rund 13.300 junge Menschen in einer handwerklichen Ausbildung. Die Ausbildung erfolgt dabei im bewährten dualen System aus Ausbildungsbetrieb, Berufsschule und überbetrieblicher Lehrlingsunterweisung.
Gleichzeitig wird die Gewinnung neuer Fachkräfte zunehmend zur Herausforderung. Deshalb setzt die Handwerkskammer neben der Förderung heimischer Nachwuchskräfte auch auf internationale Fachkräfte und Auszubildende. Mittlerweile haben rund 18,5 Prozent aller Auszubildenden im Handwerk eine ausländische Staatsangehörigkeit. Besonders viele junge Menschen kommen dabei aus Vietnam. Darüber hinaus werden gezielt Kooperationen mit Ländern wie Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan, El Salvador und Kolumbien aufgebaut, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz im Handwerk
Wie innovativ das Handwerk inzwischen arbeitet, zeigte sich auch bei den vorgestellten Digitalisierungsprojekten. Gemeinsam mit der Technischen Hochschule Deggendorf wurde das Projekt „KINO – KI im Handwerk in Ostbayern“ entwickelt. Ziel ist es, kleine und mittelständische Handwerksbetriebe bei der Einführung und Nutzung künstlicher Intelligenz zu unterstützen.
Die Möglichkeiten reichen dabei von der automatisierten Büroorganisation über intelligente Planungssysteme bis hin zu neuen Anwendungen in Produktion und Kundenservice. Digitalisierung und moderne Technologien werden künftig eine zentrale Rolle dabei spielen, Betriebe wettbewerbsfähig zu halten und Fachkräfte zu entlasten.
Besonders eindrucksvoll waren die praktischen Demonstrationen neuer Technologien im Charlottenhof. Sie zeigen, dass Innovation längst nicht mehr nur in großen Industriekonzernen stattfindet, sondern zunehmend auch im Handwerk Einzug hält.
Starke Selbstverwaltung für starke Betriebe
Im Gespräch wurde außerdem deutlich, welche vielfältigen Aufgaben die Handwerkskammer erfüllt. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts vertritt sie die Interessen aller Handwerksbetriebe, übernimmt hoheitliche Aufgaben, berät Unternehmen und organisiert wesentliche Teile der beruflichen Bildung. Die Selbstverwaltung des Handwerks sorgt dabei dafür, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter gemeinsam Verantwortung übernehmen und die Entwicklung des Handwerks aktiv gestalten.
Handwerk verdient politische Unterstützung
Für mich steht fest: Das Handwerk ist weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor. Es bildet junge Menschen aus, schafft Arbeitsplätze, sichert regionale Wertschöpfung und trägt wesentlich zur Lebensqualität in unseren Städten und Gemeinden bei.
Gerade angesichts des Fachkräftemangels, der Digitalisierung und der wirtschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit braucht das Handwerk verlässliche politische Rahmenbedingungen. Der Austausch mit Jürgen Kilger und seinem Team hat erneut gezeigt, wie engagiert die Handwerkskammer daran arbeitet, die Betriebe auf diesem Weg zu begleiten.
Mein herzlicher Dank gilt Herrn Kilger für das offene Gespräch sowie die interessanten Einblicke in die Arbeit der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz und des Standorts Charlottenhof. Gemeinsam müssen wir dafür sorgen, dass das Handwerk auch in Zukunft ein starker Pfeiler unserer regionalen Wirtschaft bleibt.

