Insight Neunburg: Wenn Schüler ihre Stadt analysieren und die Politik zuhört

Am 3. Juli 2026 durfte ich bei einer besonderen Präsentation an der Gregor-von-Scherr-Schule in Neunburg vorm Wald dabei sein. Unter dem Titel „Insight Neunburg" stellte eine Projektgruppe der Realschule ihre Ergebnisse vor, die sie über mehrere Monate erarbeitet hatte. Das Motto: „Generation Faul? Das CRAZY!" Die Schülerinnen und Schüler wollten zeigen, dass junge Menschen sehr wohl Interesse an ihrer Heimat haben, wenn man sie nur fragt und einbindet.

Was ist Insight Neunburg?

Insight Neunburg ist ein Schülerprojekt, das sich mit der Frage beschäftigt: Was wünschen sich Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren in Neunburg vorm Wald? Die Projektgruppe hat dazu eine umfangreiche Umfrage durchgeführt, Daten ausgewertet und konkrete Handlungsempfehlungen für die Kommunalpolitik erarbeitet.

Die zentrale Frage, die das Projekt antrieb: „Wer redet in Neunburg eigentlich MIT statt ÜBER Jugendliche?"

Die Methodik: Wissenschaftliches Arbeiten auf hohem Niveau

Die Schülerinnen und Schüler haben ihre Umfrage an drei Schulen durchgeführt: der Gregor-von-Scherr-Schule selbst, dem Ortenburg-Gymnasium Oberviechtach und der Mittelschule Neunburg. Insgesamt kamen 199 auswertbare Antworten zusammen.

Bemerkenswert: Die Projektgruppe erhielt eine Einführung in Pivot-Tabellen durch die Universität Heidelberg. Das zeigt den wissenschaftlichen Anspruch, mit dem hier gearbeitet wurde. Die Ergebnisse wurden anschließend in professionellen Grafiken aufbereitet und vor einem Publikum aus Lokalpolitik, Stadtverwaltung und Pressepräsentiert.

Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage

Die Umfrage lieferte klare Erkenntnisse darüber, was Jugendliche in Neunburg beschäftigt:

Der Wunsch nach einem Jugendtreff steht ganz oben auf der Liste. 107 von 199 Befragten nannten einen Jugendtreff oder ein Jugendcafé als gewünschtes Angebot. Gleichzeitig kam die Projektgruppe zu dem differenzierten Ergebnis, dass ein klassischer Jugendtreff nach Schwandorfer Vorbild für Neunburg möglicherweise nicht die richtige Lösung ist. Die Stadt sei vermutlich zu klein dafür, und „abhängen kann man in den Bauwogn, Hütt'n genauso", wie es die Schüler formulierten.

Soziale Medien dominieren die Freizeitgestaltung. Die Jugendlichen erfahren von Freizeitangeboten hauptsächlich über Freunde (160 Nennungen) und Social Media (104 Nennungen). Klassische Wege wie lokale Medien (28 Nennungen) oder Flyer (67 Nennungen) spielen eine untergeordnete Rolle. Diese Erkenntnis ist für die Kommunikationsstrategie der Stadt und der Vereine von großer Bedeutung.

Das Wochenende ist die zentrale Freizeit. Unter der Woche bleibt wenig Zeit, am Wochenende wünschen sich die Jugendlichen Angebote. Spontaneität steht dabei über langfristiger Planung.

Ein besonders interessanter Befund: Mädchen sind doppelt so häufig an der Mitgestaltung ihrer Stadt interessiert wie Jungen. Auf die Frage „Hättest du Interesse, deine Stadt mitzugestalten?" antworteten 42 Prozent mit „ja" oder „eher ja", nur 20 Prozent lehnten ab.

Die Vereinslandschaft: Viel Engagement, wenig digitale Sichtbarkeit

Die Projektgruppe hat auch die Vereinslandschaft in Neunburg analysiert. Die Zahlen zeigen ein differenziertes Bild:

Neunburg vorm Wald verfügt über 126 Vereine und Verbände bei rund 8.000 Einwohnern. Das ist ein außerordentlich hohes ehrenamtliches Engagement. Doch von diesen 126 Vereinen besitzen nur 56 eine eigene Homepage. Davon sind 11 Seiten nicht erreichbar, bei 4 landet man auf der gleichen Seite, 3 Seiten sind eher kommerziell ausgerichtet, 2 gehören zu politischen Parteien und 23 Seiten enthalten keine jugendspezifischen Informationen.

Das Ergebnis: Gerade einmal 10 Internetauftritte bieten spezielle Informationen für Jugendliche. Wichtige Akteure wie die Feuerwehr oder der Tennisclub fehlen digital komplett. Gleichzeitig werden Fördergelder der Stadt für Jugendarbeit von den Vereinen oft nicht ausgeschöpft.

Die Ideen: Konkret und umsetzbar

Die Projektgruppe hat nicht nur analysiert, sondern auch konkrete Vorschläge erarbeitet:

Eine Jugendbürgerversammlung könnte ein erster Schritt sein, um Ideen und Wünsche der Jugendlichen zu sammeln. Die Schüler betonen dabei, dass die Schulen einbezogen werden sollten, da hier die Jugendlichen am besten erreicht werden können.

Statt eines eigenen Jugendtreffs empfehlen sie, die vorhandene Infrastruktur zu nutzen und auszubauen. Bücherei, Schulen und bestehende Einrichtungen könnten für Jugendangebote geöffnet werden.

Generationsübergreifendes Denken stand ebenfalls auf der Agenda. Die Vereine sollten Aktionstage für Jugendliche anbieten und ihre digitale Kommunikation verbessern. Der ÖPNV muss mitgedacht werden: Wie kommen die Jugendlichen hin und wieder weg?

Ein Jugendparlament nach dem Vorbild von Nittenau wurde ebenfalls diskutiert. Die Schüler haben sich intensiv mit dem dortigen Modell beschäftigt und die Vor- und Nachteile abgewogen.

Mein Fazit: So geht Jugendbeteiligung

Was mich an diesem Projekt besonders beeindruckt hat: Die Schülerinnen und Schüler haben nicht nur Wünsche formuliert, sondern wissenschaftlich sauber gearbeitet, Daten erhoben und ausgewertet, verschiedene Perspektiven beleuchtet und am Ende differenzierte Empfehlungen gegeben.

Das Projekt „Insight Neunburg" zeigt, was möglich ist, wenn man junge Menschen ernst nimmt und ihnen Verantwortung überträgt. Die Frage „Wer redet MIT statt ÜBER Jugendliche?" haben sie eindrucksvoll beantwortet: sie selbst.

Für mich als Landtagsabgeordneten und Kreisrat ist das ein wichtiges Signal.

Jugendbeteiligung darf kein einmaliges Projekt sein, sondern braucht verlässliche Strukturen.
— Martin Scharf, MdL

Die Idee einer Jugendbürgerversammlung als ersten Schritt halte ich für sehr sinnvoll. Ich werde die weitere Entwicklung in Neunburg aufmerksam begleiten und unterstützen, wo ich kann.

Neunburg hat 126 Vereine für 8.000 Einwohner. Das ist Engagement pur. Wenn es gelingt, dieses Engagement auch für die junge Generation sichtbar und zugänglich zu machen, hat die Stadt eine große Chance.

Herzlichen Dank an die Projektgruppe der Gregor-von-Scherr-Schule für diese beeindruckende Arbeit!

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