Bürokratieabbau und faire Energiepreise: Martin Scharf zu Besuch bei Mietservice Süß in Nabburg
Wo dem Mittelstand in der Oberpfalz wirklich der Schuh drückt, erfahre ich selten am Schreibtisch in München, sondern im Betrieb. Deshalb war ich bei der Mietservice Süß GmbH & Co. KG in Nabburg zu Gast und habe mir die Entwicklung des Familienunternehmens und die aktuellen Herausforderungen der Arbeitsbühnen-, Kran- und Vermietbranche erklären lassen.
Die Firmengründer Siegmund und Robert Süß haben mir gemeinsam mit Peter Süß, der inzwischen die technische Leitung verantwortet, das Unternehmen vorgestellt. Damit war auch die nächste Generation des Familienunternehmens vertreten. Markus Süß, der ebenfalls zur nächsten Generation und zu den Verantwortungsträgern zählt, konnte wegen einer anderweitigen Verpflichtung nicht dabei sein.
Begleitet haben mich Altbürgermeister Josef Fischer, die 2. Bürgermeisterin, Kreisrätin und Stadträtin Irene Ehemann sowie Norbert Irlbacher und Marie-Theres Brell von den Freien Wählern.
Vom regionalen Familienbetrieb zum Dienstleister mit 700 Maschinen
Aus einem regional verwurzelten Familienunternehmen ist über die Jahre ein breit aufgestellter Dienstleister geworden. Heute beschäftigt Mietservice Süß rund 50 Mitarbeiter und verfügt über einen Mietpark mit etwa 700 Maschinen und Geräten.
Das Portfolio reicht von Senkrechtliften über Scheren- und Teleskoparbeitsbühnen mit bis zu 48 Metern Arbeitshöhe bis hin zu Frontstaplern mit bis zu 25 Tonnen Tragfähigkeit sowie Tele- und Rotostaplern. Der stärkste Pick-&-Carry-Kran im Bestand hebt 65 Tonnen, der größte Rotostapler erreicht eine Arbeitshöhe von bis zu 35 Metern. Im Einsatz sind Maschinen von mehr als 20 Herstellern weltweit, darunter Genie, JLG, Haulotte, Merlo, Magni und Toyota.
Das Unternehmen gliedert sich heute in fünf Geschäftsbereiche: Vermietung, Service, Schulung, Dienstleistungen mit Schwerpunkt Maschinen- und Betriebsumzüge sowie Verkauf.
Ausbildung, Qualität und Umweltpakt
Beeindruckt hat mich das eigene Schulungszentrum, das bereits 2007 eröffnet wurde. Dort werden unter anderem Bediener von Hubarbeitsbühnen, Kranen und Flurförderzeugen nach den entsprechenden DGUV-Grundsätzen ausgebildet. Für die Qualität dieser Schulungen wurde das Unternehmen bereits zweimal als „Trainer des Jahres" ausgezeichnet.
Unter dem Motto „Lösungen mit System" setzt der Betrieb außerdem auf eigene Qualitätsstandards wie die SYSTEM-CARD und ein Qualitätsmanagement nach ISO 9001. 2024 wurde Mietservice Süß in den Umwelt- und Klimapakt Bayern aufgenommen.
Digitalisierung und regionale Stärke
Auch bei der Digitalisierung stellt sich das Unternehmen für die Zukunft auf. Die Verwaltungssoftware wird derzeit schrittweise modernisiert und um KI-gestützte Lösungen ergänzt, um interne Abläufe weiter zu optimieren.
Nach Unternehmensangaben kann Süß rund 95 Prozent der in der Region nachgefragten Arbeitsbühnentypen aus dem eigenen Bestand anbieten. 14 Pick-&-Carry-Krane kommen vor allem bei anspruchsvollen Sondereinsätzen zum Zug, etwa beim Ein- und Ausbringen schwerer Maschinen unter beengten Platzverhältnissen.
Rund 50 Prozent des Geschäfts werden inzwischen überregional erwirtschaftet, auch im EU-Ausland. Die Basis bleiben langjährige Kundenbeziehungen: Etwa 80 Prozent der Aufträge stammen von Stammkunden. Bei einzelnen Projekten ist das Unternehmen international tätig, aktuell unter anderem auf einer Baustelle in Neuseeland.
Steigende Kosten belasten den Mittelstand
Als wesentliche Herausforderungen haben mir die Unternehmensvertreter die deutlich gestiegenen Personal-, Energie-, Kraftstoff- und Transportkosten geschildert.
Der Dieselverbrauch liegt bei rund 35.000 Litern pro Monat. Der Einkaufspreis stieg zuletzt um rund 0,30 Euro netto je Liter. Gleichzeitig sind Transportfahrzeuge und Maschinen spürbar teurer geworden.
Besonders stark ins Gewicht fallen die Mautkosten: Sie belaufen sich mittlerweile auf rund 17.000 Euro monatlich. Der Kilometersatz hat sich innerhalb von zwei Jahren von etwa 0,17 Euro auf rund 0,34 Euro nahezu verdoppelt.
Doppelte Prüfverfahren innerhalb der EU
Für zusätzlichen Unmut sorgt der bürokratische Aufwand bei grenzüberschreitenden Einsätzen innerhalb der Europäischen Union. Bereits in Deutschland geprüfte Maschinen müssen bei bestimmten Einsätzen in Polen erneut geprüft werden. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten von rund 900 Euro je Mietmaschine.
Aus Sicht des Unternehmens braucht es in der EU stärker vereinheitlichte technische und rechtliche Standards, um Doppelprüfungen und unnötigen Verwaltungsaufwand zu vermeiden. Diese Einschätzung teile ich.
Was ich aus Nabburg mitnehme
Firmenbesuche wie dieser zeigen sehr konkret, wo unserem Mittelstand der Schuh drückt. Explodierende Mautkosten und doppelte Prüfverfahren innerhalb der EU sind keine abstrakten Themen, sondern gehören für viele Betriebe zum Alltag.
Für den Mittelstand sind deshalb vor allem Bürokratieabbau, einheitliche europäische Regelungen und wettbewerbsfähige Energiepreise entscheidend. Ich nehme die konkreten Erfahrungen aus Nabburg mit nach München und setze mich weiter für spürbare Entlastungen der mittelständischen Wirtschaft ein.
Mein Dank gilt der Familie Süß und dem gesamten Team für die offenen Einblicke und das ausführliche Gespräch.

